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Mäuse



Leider existiert keine Mäusestation

Deshalb berichten wir hier gerne über unsere eigenen Erfahrung mit Mausenotfällen.
Mäuse haben viele natürliche Feinde und dementsprechend in freier Wildbahn auch meist nur eine sehr kurze Lebenserwartung. Zu Gesicht bekommen wir Menschen sie meist nur, wenn wir Katzenhalter sind, denn unsere Samtpfoten bespielen und bejagen Mäuse, das liegt in ihrer Natur. Doch was tun, wenn einem von seiner Katze eine Maus nach Hause gebracht wird?

Es gibt keine Richtlinien und leider auch keine seriöse Möglichkeit der Ferndiagnose, so fällt es uns unglaublich schwer, Ratschläge zu geben. Wir möchten deshalb keinen Ratgeber verfassen, sondern lediglich von unseren eigenen Erfahrungen mit vielen Mäusearten berichten. Bei verletzen Tieren empfehlen wir aber generell immer den Gang zum Tierarzt!

 

1. Schritt: Beurteilen, ob das Tier offensichtliche Verletzungen hat:
 

- Blutet es (wenn ja: wo und wie stark)
- kann es stehen, gehen
- hat es noch alle Beine, Füsse, den Schwanz
- lahmt es, zieht es ein Beinchen nach, hält es den Kopf schief

Wenn eine Maus offensichtlich sehr schwer verletzt ist, kann man sie nur erlösen. Blutet ein Tier aus mehreren Körpferöffnungen (Ohren, Nase oftmals sogar Augen und Mund) gleichzeitig, liegt ein Verdacht auf eine Schädelfraktur nahe. Auch herausgequollene Augen, schwere, sichtbare Quetschungen mit naheliegendem Verdacht auf innere Blutungen und oftmals auch vollständige Lahmheit durch ein gebrochenes Rückgrat sind leider nicht selten. Veranlassen aber umso schneller zum Handeln. Wenn man nicht in der Lage ist, das Tier umgehend, gezielt, fachgerecht und schnell zu töten bleibt nur der Spurt in die nächste Tierarztpraxis um die Maus zu euthanasieren.

Kleinere Wunden können herkömmlich behandelt werden mit desinfizieren und Wundsalbe. Kurzzeitiges Nachschleifen von 1! Fuss oder Bein (beide ist ein Zeichen auf Rückenmarksverletzung) und auch Kopfschiefhaltung können sich in einigen Fällen innert ein paar Tage wieder schnell regenerieren. Bei Unsicherheiten immer eine Fachperson aufsuchen!
 

2. Schritt: Beurteilen, ob es sich um ein ausgewachsenes oder um ein Jungtier handelt:

- Ist es nackt oder hat es schon Fell
- Augen + Ohren noch geschlossen oder schon geöffnet
- Gewicht und Grösse sind ebenfalls gute Indizien für eine Altersbestimmung (Abhängig von der Art des Mäuschens)
- Allgemeiner Eindruck: Bei wackeligen, schwachen Tiere mit schlechter Koordination und fehlender Scheu vor dem Menschen kann es sich ebenfalls um noch sehr junge Tiere handeln

 
Die Beurteilung ob es sich noch um ein Jungtier handelt oder nicht, ist oftmals nicht ganz einfach. Dies ist jedoch überlebenswichtig, da junge Mäuse, trotz schon voll geöffneter Ohren und Augen Bedarf an Milch haben und noch nicht selbständig feste Nahrung zu sich nehmen können. Wenn man nicht ganz sicher ist und das Tier nicht selbständig zu fressen beginnt, sollte man versuchsweise Katzenmilch in einer kleinen Pipette zuführen. Meist trinken die Kleinen die Milch sehr rasch, da auch Dehydration (Austrocknung) bei Notfellchen ein grosses Problem darstellt.
  1. Schritt: Beurteilen, ob das Tier offensichtliche Verletzungen hat
2. Schritt: Beurteilen, ob es sich um ein ausgewachsenes oder um ein Jungtier handelt

3. Schritt: Artenbestimmung!

Sobald Schritt 1. & 2. erfolgt sind muss die Art bestimmt werden um zu wissen, welche Bedürfnisse (Ernährung, Lebensraum, Tag- oder Nachtaktiv, in Gruppen lebend oder Einzelgänger) das Tier hat. Auch das ist nicht gerade einfach, ähneln sich viele Mäuse doch sehr.

 
Wir empfehlen für die Artenbestimmung folgende Seite: kleinsaeuger.at und bedanken uns an dieser Stelle herzlich für die Unterstützung der österreichischen Kollegen, auf welche auch wir schon bei manchem Pflegling, gerade auch bei Jungtieren, angewiesen waren:

Unglaublich hilfreich sind die von kleinsaueger.at zur Verfügung gestellten Bestimmungshilfen, bei welchen nach äusseren Kriterien Schritt für Schritt die Art bestimmt werden kann: http://kleinsaeuger.at/bestimmung.html
  Sollte sich nach der Artenbestimmung herausstellen, dass es sich nicht um eine Maus sondern um einen Bilch (Siebenschläfer, Gartenschläfer) oder gar um ein Eichhörnchen handelt, dann bitte umgehend an die Eichhörnchen Station wenden.
 
Nun haben wir alle wichtigen Informationen soweit zusammen.

Fallbeispiel 1:

- Tier ist nicht offensichtlich verletzt (ist ein Tier verletzte, ist immer die Schwere der Verletzung ausschlaggebend ob noch geholfen werden kann)
- Es handelt sich um eine ausgewachsene Hausmaus


Dank der Infos über Hausmäuse auf  kleinsaeuger.at wissen wir Folgendes:

Was zu fressen anbieten: Samen von Kräutern und Gräsern, Getreide, Früchte und Insekten - denn wir behalten alle Mäuse mindestens 1 Nacht zur Beobachtung, ist dann alles okay schnellstmöglichst wieder auswildern.

Trinken: Wichtig! Wasser anbieten. 8-tung: Nie tief gefüllte Wassernäpfe = Ertrinkungsgefahr. Nur ganz flache Behälter benutzen, z.bsp. Plastik Dosendeckel die man sonst für angebrochene Hunde-Katzenfutterdosen verwendet.

Wann wieder auswildern:
Ausschlaggebend ist die Hauptaktivitätszeit des Tieres, bei der Hausmaus ist es vorwiegends nachtaktiv (dämmerungs- und dunkelaktiver Kleinsäuger mit Hauptaktivitätsphasen nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang). So werden Hausmäuse idealerweise nach Sonnenuntergang wieder ausgewildert.
 

Wo wieder auswildern: Bei erwachsenen Tieren ist es immer empfehlenswert sie dort wieder auszuwildern, wo sie gefunden wurden, bzw. zumindest in der Nähe. Die meisten adulten Mäuse haben mehrere Baue und Nester, in welchen sie auch Vorräte angelegt haben. Eine Maus findet sich aufgrund ihres Orientierungssinn sehr gut in vertrauter Umgebung zurecht und sollte möglichst schnell in ihren Bau zurückkehren können.
 
Handelt es sich tatsächlich um ein Jungtier kommt man ums Fläschen und vieles mehr nicht herum.

Generell ist bei verwaisten Tieren Unterkühlung und Austrockung meist das grösste Problem. Und bei kleinen Mausebabies umso schwieriger, dies gezielt zuzuführen.

Ideal sind Wärmelampen welche nur BEREICHE des Terrariums wärmen, keine direkte Wärmequellen unterlegen, die Kleinen überhitzen sonst. Weiches angewärmtes kleines Tuch zu einer Kugel rollen und Mäuschen in die Mitte setzen.

Zur Aufzucht bei Mäusen verwenden wir eine feine Spritze (OHNE NADEL) und mischen Katzenaufzuchtsmilch an, die von Royal Canine. Was bei Babymäusen auch immer hilfreich ist, ist Fencheltee, diesen aber immer nur verdünnt und tröpfchenweise eingeben.
Nie ein Baby auf den Rücken legen oder zum trinken zwingen, es könnte ersticken. Hat es Kraft und Lebenswillen trinken sie recht gut Tropfen für Tropfen von der Spitze der Spritze selbständig weg.

Je jünger die Maus, desto häufiger die Fütterung. Im Durchschnitt trinken Mäusebabies rund 3 Wochen lang Muttermilch.

Anfänglich alle 2 Stunden - danach alle 3-4 Stunden mit Erhöhung der Anzahl Tropfen - nach vollständig geöffneten Augen alle 5-6 Stunden und zusätzlich ein ganz kleines Tellerchen mit warmer Milch ins Terrarium stellen, je schneller sie selbständig beginnen zu trinken umso besser!
  Bei Handaufzuchten ist auch die Hygiene nicht zu vergessen! Kleine Babies müssen stimuliert werden um Kot und Harn abzusetzen, ebenso benötigen sie Wärme und werden vom Muttertier geputzt. All dies reguliert die Verdauung und fehlt den Kleinen natürlich. Auch dass muss vom Pfleger mehrmals am Tag und Nacht übernommen werden. Wir machen dies immer behutsam mit Wattestäbchen. 1. Runde mit warm angefeuchtetem Stäbchen, 2. Runde mit einem trockenen. Darauf achten, dass keine Milch am Babie festtrocknet, sollte bei der Fütterung was daneben gegangen sein.
 

Umstellung auf Festfutter. Ideal haben sich für uns die Schmelzflocken von Kölln erwiesen, welche anfangs mit in ein winziges Schälchen Milch miteingerührt werden können. Wir bestellen sie immer hier: https://www.babymueller.ch/de/p/koelln-getreidebrei-schmelzfl-dinkel-hafer-34630
  Sobald Mauszahn wächst und gedeiht, muss man unbedingt die Kontakaufnahmen - auch wenn es noch so schwierig ist - reduzieren. Handaufzuchten werden sehr zahm, verwildern aber umgekehrt auch unglaublich schnell. Das Terrarium sollte so naturnah wie möglich gestaltet werden, mit eigenem Bau, Zweige, Äste, Möglichkeiten um Tunnel zu graben, alles was es zur Vorbereitung auf die Auswilderung braucht. Auch darauf achten, dass das Terrarium nicht an einem belebten Ort steht, an welchem viel künstliches Licht ist. Perfekt ist ein Ort, anwelchem sich das Mäuschen auf den natürlichen Tag/Nacht Rhytmus einstellen kann. Futter wird auch nicht mehr aus der Hand gegeben sondern mehr und mehr im Terrarium versteckt, damit es selbständig suchen muss.
 
Wir funktionieren für eine Behausung immer dieses Modell um: Hamsterburg-Wehrgang 42x11x11cm das gibts bei Qualipet.

Es wird umgekehrt aufgebaut, also die Türme nach UNTEN, die Böden werden verschlossen und bieten so zusätzliche 'Schutzräume'. Die meisten Mäuschen nehmen die künstliche Baute sofort an und beginnen diese mit Nistmaterial und Futtervorräten zu füllen.
Bei der Auswilderung von Tieren welche lange bei uns waren, bzw. von Jungtieren welche von Hand aufgezogen wurden, setzen wir sie mitsamt ihrer 'Hamsterburg-Wehrgang' aus indem wir dies an einem geschützten Ort vergraben, verdecken und dem Mäuschen so den bestmöglichsten Start ins freie Leben ermöglichen, ohne dass es gleich eine eigene Baute anlegen muss.